Russland: Roskomnadzor blockiert sechs VPN-Dienste

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Das werden nicht die letzten sein, wetten?

Mit Sicherheit nicht. Man sieht ja auch im Artikel, in welche Richtung sich das entwickelt:

Behörden und Betreiber von staatlichen Informationssystemen sind von der VPN-Sperrung ausgenommen.

Man will gar nicht mehr, dass das gemeine Volk Zugang zu dieser Technologie hat. Selbst fĂŒr Firmen gibt es offenbar nur zu genehmigende Ausnahmen. Da frage ich mich doch spontan, wie freie Journalisten, AnwĂ€lte oder oppositionelle KrĂ€fte hier behandelt werden.

Die ganze Sache lĂ€uft ja schon seit Herbst 2017 oder so. Das war damals ein kleiner Teil des großen Plans
siehe RUnet und die „Great Firewall“ !
Du erinnerst dich @Tandeki :wink:

Als SouverĂ€nes RuNet wird medial eine im Aufbau befindliche IT-Infrastruktur in Russland genannt, welche ĂŒber staatlich kontrollierte Knotenpunkte Inhalte filtern kann. Übergangspunkte in das weltweite Netz können bei Bedarf eingeschrĂ€nkt oder abgeschaltet werden, so dass ein defakto Intranet fĂŒr Russland entsteht. Russische Internetdienstanbieter mĂŒssen nach einem ab dem 1. November 2019 in Kraft getretenen Gesetz die technischen Voraussetzungen dafĂŒr schaffen und ihre Server unter die Aufsicht der Behörde Roskomnadsor stellen. Laut der Regierung der Russischen Föderation soll das russische Netz so vor Cyberattacken geschĂŒtzt werden. Kritiker befĂŒrchten eine Kontrolle und weitere EinschrĂ€nkung der Meinungsfreiheit.

Die große Abschottung vom internationalen Internet macht natĂŒrlich ĂŒberhaupt keinen Sinn, wenn es Hinz und Kunz gelingt, einen Tunnel dadurch zu graben mittels VPN oder Proxy.
Also musste man zwei Jahre vorab (November 2017) ein Gesetz erlassen, was diese Dienste verbietet, wenn sie den russischen Anforderungen nicht entsprechen. Was macht man dann als Regierung weiterhin? Genau, man stellt die Anforderungen so, dass sie nicht erfĂŒllt werden können bzw. nicht erfĂŒllt werden wollen. So reduziert die russische Regierung die Umgehung des RUnet auf ein Minimum!!

Also das mit „dem Internet“ ist so eine Sache. Es gibt Gegenden auf der Welt, da ist Facebook „das Internet“. Da wissen die Leute teilweise gar nicht, dass es sich eigentlich um eine Infrastruktur handelt, die lediglich die Plattform fĂŒr Dienste ist, von der Facebook nur einer von vielen ist. Oder die Ambitionen in Afrika, bei denen Plattformbetreiber einen Zugang zum „Internet“ bereitstellten, ĂŒber den dann aber nur die eigene Plattform zugĂ€nglich war. Oder die Zeit, in der ich mal eine App fĂŒr den chinesischen Markt geplant habe und schnell merkte, dass ein Erfolg unwahrscheinlich ist, wenn man sich nicht an die wenigen Big Player des chinesischen Markts hĂ€ngt (Stichwort BATX). D.h. das offene, weltweite Netz ist schon jetzt ein Mythos. Und die regionalen Besonderheiten sind durchaus lebensfĂ€hig. Entweder, weil die Menschen gar nicht wissen, dass es mehr gibt. Oder weil sie mit dem lokalen Angebot vollauf zufrieden sind. D.h. Ambitionen wie die in Russland haben sogar eine gute Chance auf Erfolg.

Ach so, wo wir grade davon sprechen

Da ja nun bald die tollen Wahlen ins Haus stehen und die Wahlprogramme der einzelnen Parteien, von den eigenen Spitzenpolitikern selber kaum verstanden werden, tut hier etwas AufklĂ€rung Not. Zumindest sollten die BĂŒrger aka User wissen, was von den Parteien und BĂŒndnissen in der digitalen Welt geplant ist!
Deswegen nur mal so als Tipp am Rande:

Neuland-Interviews von c’t und heise-online (6 Parteien / parteipolitische Sprecher-innen plus Fazit)

Nicht wundern, wenn hier mit dem Fazit angefangen wird. Aber in dem Heise Artikel hier, sind alle Parteien / Interviews vertreten. Durch Klicken auf den Parteinamen im Artikeltext kommt ihr dann zum jeweiligen Interview!

Russland versucht, VPN-Anbieter zu blockieren, Probleme treffen BitTorrent und mehrere Online-Dienste!

Anfang dieses Monats kĂŒndigte die russische Telekommunikationsaufsichtsbehörde Roscomnadzor an, dass sie damit beginnen wĂŒrde, VPN-Anbieter wie NordVPN, ExpressVPN und IPVanish zu sperren, um den Zugang zu Informationen zu verhindern, die die Regierung zensieren möchte. Es scheint nun, dass mehrere Online-Dienste, einschließlich BitTorrent und Twitch, unterbrochen wurden, wobei mehrere Parteien mit dem Finger auf die russischen Blockierwerkzeuge zeigen.

In den letzten Jahren haben die russischen Behörden im Rahmen ihrer BemĂŒhungen um die Sperrung von Websites gewarnt, dass VPN-Anbieter als nĂ€chstes auf der Liste stehen könnten.

Das Problem besteht nach Ansicht Russlands darin, dass diese Dienste Zugang zu Material bieten können, das die BĂŒrger lieber nicht sehen sollten - von raubkopierten Inhalten bis hin zu terroristischer Propaganda.

Nach Ansicht der Behörden sollten VPN-Anbieter mit der Regierung zusammenarbeiten, aber viele sind nicht bereit, dies zu tun, vor allem, wenn dies irgendeine Art von Überwachung oder Zensur von Diensten beinhaltet, die Russland als anstĂ¶ĂŸig betrachtet.

Nach umfassenden Drohungen gegen eine Reihe von Diensten im Jahr 2019 machte Russland seine Warnungen wahr und sperrte zwei Anbieter, VyprVPN und OperaVPN. Anfang dieses Monats kĂŒndigte die lokale Telekommunikationsaufsichtsbehörde Roscomnadzor an, dass sie mehrere weitere Anbieter sperren werde, darunter Nord VPN, ExpressVPN, IPVanish, Hola! VPN, KeepSolid VPN Unlimited und Speedify VPN.

Russland hat mit Problemen gerechnet:
Im Vorfeld der Sperrung der oben genannten Anbieter hat Russland den Bankensektor kontaktiert, um sicherzustellen, dass eine Sperrung ihre AktivitĂ€ten nicht beeintrĂ€chtigen wĂŒrde. Die Zentralbank kontaktierte daraufhin die entsprechenden Unternehmen und bat sie, die Namen der von ihnen genutzten VPN-Dienste sowie den Zweck dieser Nutzung und alle bekannten IP-Adressen zu bestĂ€tigen.

Einem Bericht von RBC zufolge teilte Roscomnadzor mit, dass sie „eine Reihe von Maßnahmen zur EinschrĂ€nkung der Nutzung von Diensten“ plane und die Informationen benötigt wĂŒrden, „um VPN-Verbindungen von den ZugangsbeschrĂ€nkungen auszuschließen“.

Roscomnadzor erhielt nach eigenen Angaben Antworten von 64 Branchenorganisationen, von denen 27 die genannten VPN-Verbindungen zur UnterstĂŒtzung von 33 technologischen Prozessen nutzen. „Mehr als 100 IP-Adressen wurden vorgelegt, um sie von den ZugangsbeschrĂ€nkungen auszuschließen“, berichtet die Aufsichtsbehörde.

Trotz dieser BemĂŒhungen scheint es jedoch, dass Russlands Versuch, die Anbieter zu sperren, ĂŒber das Ziel hinausgeschossen sein könnte.

Störungen bei mehreren Online-Diensten gemeldet:
Nachdem die neuen Blockaden in Kraft getreten waren, meldeten mehrere Online-Dienste, dass sie unter Verbindungsproblemen litten. Einem Bericht von Kommersant zufolge gehören dazu das Spiel World of Tanks, der Spiele-Streamingdienst Twitch, FlashScore (ein Dienst, ĂŒber den man Fußballergebnisse abrufen kann) und sogar BitTorrent-Übertragungen. Die Betreiber des MMO-Spiels World of Warships haben auf ihrem Portal eine ErklĂ€rung fĂŒr die Probleme abgegeben.

„Anfang September begannen die Internetanbieter auf Anordnung von Roscomnadzor, VPN-Dienste zu blockieren. DPI-AusrĂŒstung wird verwendet, um Anordnungen von Providern auszufĂŒhren“, schreiben sie.

„Im Zuge der Sperrung von VPN-Diensten waren viele UDP-Ports betroffen, darunter auch solche, die in unserem Spiel seit dem Beginn der ersten Alpha-Tests verwendet werden. Diese Situation hat nicht nur große Backbone-Anbieter betroffen, sondern auch viele lokale Anbieter, von denen es eine große Anzahl auf dem Territorium Russlands gibt.“

World of Warships sagt, dass die Blockierung der UDP-Ports die Spieler daran hinderte, sich in ihr Spiel einzuloggen, und auch zu VerbindungsabbrĂŒchen bei bereits spielenden Spielern fĂŒhrte. Die Betroffenen sollten sich mit ihren Internetanbietern in Verbindung setzen, sagt das Unternehmen, aber ob dies zu positiven Ergebnissen fĂŒhrt, ist nicht bekannt.

Twitch reagierte nicht auf eine Anfrage nach einem Kommentar, aber FlashScore sagt, dass auch dort Probleme aufgetreten sind. Trotz Nachforschungen konnte das Unternehmen jedoch noch nicht feststellen, was die technischen Probleme verursacht hat.

Roscomnadzor weist Schuld zurĂŒck, ISPs sind sich nicht so sicher:
Die russische Telekommunikationsaufsichtsbehörde sagt, dass sie trotz gegenteiliger Behauptungen davon ausgeht, dass die Netzwerkprobleme nicht auf ihre Arbeit zurĂŒckzufĂŒhren sind.

„Bei der Implementierung von Maßnahmen zur Blockierung von VPN wurden die angegebenen UDP-Ports nicht blockiert“, so ein Sprecher. Quellen innerhalb mehrerer ISPs in Russland sind sich da nicht so sicher.

„Die Mitarbeiter der großen vier Betreiber sagten, dass sie ihre eigenen Netze bereits getestet hĂ€tten und dass der Grund fĂŒr die Schwierigkeiten der Betrieb der TSPU-AusrĂŒstung (technische Mittel zur Abwehr von Bedrohungen) sei, die Roskomnadzor im Rahmen des Gesetzes ĂŒber das ‚SouverĂ€ne RUnet‘ in den Netzen installiert hat“, berichtet Kommersant.

Die Sperrung von Anbietern ist nur ein Teil von Russlands Haltung gegenĂŒber VPNs:
Wie bereits im Juni berichtet, greift Russland VPNs an mehreren Fronten an. Jede Woche sendet Roscomnadzor Anweisungen an Google, hunderte von URLs von Websites und Diensten zu entfernen, die angeblich den Zugang zu raubkopierten Inhalten ermöglichen.

Leider erlaubt es das russische Recht Google, die genauen URLs, gegen die vorgegangen wird, mitzuteilen, aber Recherchen in der Lumen-Datenbank bestÀtigen, dass in den letzten zwei Jahren mehr als eine halbe Million Links entfernt wurden.

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