Lesetipps: ein Privacy-Rechner und ein Reiseführer zur Online-Anonymität

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Naja, der Rechner ist aber auch „etwas“ speziell, um es gelinde zu sagen. Warum? Ich schreibe mal kurz meine Meinung zu den Antworten:

1. Welchen Browser benutzt Du hauptsächlich?

  • Tor - 10 Punkte < Kommt auf den Endpoint an. Wenn der loggt, ist es vorbei mit der Privatsphäre.
  • Brave - 7 Punkte < Nach den bekannten Vorkommnissen? Nope. Nein.
  • Chromium - 8 Punkte < Kommt auf den Build an. Standard? Nope. https://chromium.woolyss.com/
  • Firefox - 7 Punkte < Noch immer der beste Browser, den man selbst komplett auf Privatsphäre trimmen kann.
  • Safari - 5 Punkte < Es gibt vergleichsweise wenige, die Safari nutzen. Stichwort: Fingerprinting.
  • Chrome - 0 Punkte < Völlig korrekte Punktzahl
  • Edge - 0 Punkte < Ebenfalls korrekte Punktzahl
  • Anderen - 5 Punkte < Welchen anderen Browser? Waterfox? Iceweasel? Vivaldi? Auch hier: Fingerprinting.

Man sieht also, dass die Wertung hier nicht ganz stimmig ist, wenn man die Antworten aufdröselt.

2. Welche Suchmaschine benutzt Du hauptsächlich?

Kein Gemecker bei den Antworten für die Wahl der Suchmaschine. Passt.

3. Und wie oft löscht Du die Cookies im Browser?

  • ich blockiere Cookies 10 Punkte < 3rd Party Cookies bzw. „Cookies von nicht besuchten Webseiten“ blockieren, ist vollkommen legitim. Alle Cookies zu blockieren geht nur via Whitelist. Ansonsten sind 99% der meisten Webseiten mittlerweile unbenutzbar.
  • nach jeder Session - 9 Punkte < Eher sinnbefreit, alle Cookies nach einer Session zu löschen. Auch hier: Fingerprinting.
  • gelegentlich - 5 Punkte
  • selten - 3 Punkte
  • nie - 0 Punkte

Sich gegen Supercookies und seitenübergreifende Cookies zu wehren, ist eine gute Idee und sollte auch gemacht werden. Hierzu bieten viele Browserhersteller schon passende, mitgelieferte Mittel. Addons zur Verwaltung der Cookies bzw. ein effizienteres Whitelisting komplettieren das Unterfangen.

4. Welchen Cloud-Speicher benutzt Du hauptsächlich?

Ich spare mir das Auflisten diesmal und komme gleich zum Punkt: Es ist komplett irrelevant, welchen Cloud-Speicher man nutzt, sofern man die Dateien und Dateinamen verschlüsselt ablegt. Cryptomator ist Opensource und macht die Wahl des Speichers zur persönlichen Präferenz - ohne die Datenschutzbedenken anzukratzen.

5. Hast Du einen PGP-Key?

Selbstredend. Hilft aber leider wenig, wenn der Gegenüber keine Ahnung hat, was er mit meiner verschlüsselten Nachricht anstellen soll. Leider. Sofern PGP nicht von großen Unternehmen wie Microsoft, Google, Yahoo, GMX und Yandex als Standard implementiert wird.

6. Ist deine Festplatte verschlüsselt?

Auch hier gleich zum Punkt: Was hilft mir das beim Datenschutz, wenn der Rechner nur lokal und einer Person verwendet wird? Bei einem Laptop lasse ich mir das einreden, aber generell ist die Frage zu schwammig formuliert. Generell hilft eine verschlüsselte Festplatte nur dann, sofern eventuell mehre Personen darauf Zugriff haben (könnten).

7. Welchen Messenger benutzt Du hauptsächlich?

  • Signal - 10 Punkte
  • Threema - 10 Punkte
  • Telegram - 2 Punkte
  • WhatsApp - 2 Punkte
  • Facebook Messenger - 0 Punkte
  • Andere - 5 Punkte

Also wenn man nun Skype, Viber, Hangouts und dergleichen verwendet, bekommt man 5 Punkte - für Telegram nur 2? Ähm… am Thema vorbei? Jepp: Komplett vorbei. Sorry.

8. Welchen Social-Media-Kanal benutzt Du hauptsächlich?

  • Mastodon - 10 Punkte
  • TikTok - 0 Punkte
  • Facebook - 0 Punkte
  • Instagram - 0 Punkte
  • SnapChat - 0 Punkte
  • Twitter - 0 Punkte
  • YouTube - 0 Punkte
  • Andere - 0 Punkte
  • Keinen - 10 Punkte

Autsch. „Andere“ mit 0 Punkte? Mastodon mit 10? Was ist mit anderen dezentralen Netzwerken, wie etwa LBRY? Blockchain-basierende Netzwerke? Ebenfalls - auch wenn anders behauptet - behaupte ich, dass Youtube nicht als „Social Media“-Seite gesehen werden kann, sofern man nur Videos schaut, sich nicht anmeldet und brav sämlichte Werbung blockiert; keine Kommentare postet oder Videos bewertet. Youtube-Vanced oder Newpipe sind gute und auch von Sunny genannte Alternativclienten für Youtube, sofern man diese auf dem Tablet oder Smartphone nutzt.

9. Wieviele deiner letzten Online-Bestellungen hast Du bei Amazon getätigt?

Schuldig mit 10 von 10 Bestellungen. Einfach, weil Amazon für den Konsumenten ziemlich alles richtig macht. Zumindest als Prime-Kunde. Meine Bedenken kompensiere ich, dass ich alle Bestellungen via smile.amazon.de tätige und somit ein kleiner Beitrag einer hiesigen Organisation gespendet wird. Warum auch nicht.

10. Wie oft liest Du netzpolitik.org?

  • täglich - 10 Punkte
  • alle paar Tage - 6 Punkte
  • selten - 3 Punkte
  • nie - 0 Punkte

Unnötig und hat nichts in diesem „Rechner“ verloren. Ich schätze Netzpolitik sehr, aber unter uns: Das kann sich nur um einen Scherz handeln.

Ich kam auf 55 Punkte, weil der Rechner - meiner Meinung nach - nur halbherzig zusammengestellt wurde. Schade.

Hab 61 Punkte geholt. :man_shrugging:
Im großen und ganzen Stimme ich Claymore zu. Der Test ist für die breite Masse was, da sie bei einem (vermutlich) schlechten Ergebnis, denjenigen zum nachdenken/recherchieren anregt aber für Fortgeschrittene, nicht wirklich aussagekräftig.
Wozu die Platte verschlüsseln wenn der Desktop-PC nie direkt mit dem Internet verbunden ist? Benutze einen speziell konfigurierten Laptop quasi als lokaler Proxy/VPN. Vor jedem runterfahren wird die Festplatte bereinigt. :wink:

Genau. Und nichts anderes möchte dieser Test eigentlich erreichen. Und das ist auch eigentlich höchste Zeit. Viel zu viele sind immer noch komplett unbedarft im Netz unterwegs.

Aussage Netzpolitik zum Rechner:

Der Transparenz halber zeigen wir hier, wie wir die einzelnen Antworten gewichtet haben. Die Vergabe von Punkten für diesen nicht ganz ernst gemeinten Rechner ist nur ein Hilfskonstrukt, um Aufmerksamkeit und einen spielerischen Zugang zur Thematik zu ermöglichen. Bitte nehmt die Punkteverteilung deshalb nicht zu ernst. Privatsphäre ist ein soziales Konstrukt und IT-Sicherheit immer kontextabhängig. Ein gut konfigurierter Chrome-Browser kann datensparsamer sein als Firefox mit falschen Add-Ons. Sich in sozialen Netzwerken für eine bessere Datenschutzpolitik einsetzen, könnte langfristig mehr für den Schutz der Privatsphäre bewirken, als sich virtuell einzumauern. Wir freuen uns natürlich trotzdem, wenn ihr uns freundliche und mit Quellen unterlegte Hinweise gebt, falls ihr mit einer Bepunktung nicht einverstanden seid.