Lesetipps: Datenleck beim FBI, mit WhatsApp einen Krieg gewonnen?

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Thema WhatsDreck:

Wie falsch diese Einschätzung war, ist nun für jedermann ersichtlich. Vor einer Woche sagten die USA, Afghanistan könne den Taliban 90 Tage lang standhalten. Heute kontrollieren die Taliban (70.000 Mann) die Hauptstadt, die viel gepriesene afghanische Armee ist aufgelöst, und Zehntausende von Afghanen - deren kollektive Kraft die Taliban aufhalten könnte, wenn sie nur die Organisation dazu hätte - fliehen an jeden Ort und mit allen Mitteln, die sie haben.

WhatsApp hat einzigartige Vorteile im Kampf gegen die Taliban, die sich ebenfalls auf die App verlassen, um ihre Vorgesetzten auf dem Laufenden zu halten und sich bei ihren Kämpfern zu melden. Die Schlacht ist zu einem Krieg der kleinen, schnellen taktischen Gewinne geworden - ein Bezirk hier, ein Dorf dort - und dafür überwiegen die Vorteile der App bei weitem die potenzielle Verwundbarkeit.

Vor allem ist sie schnell und flexibel. Dringende Entscheidungen über einen bevorstehenden Angriff müssen nicht mehr darauf warten, dass Minister und Befehlshaber eine sichere Einsatzzentrale aufsuchen. WhatsApp-Gruppen sind zu virtuellen Einsatzzentralen geworden, in denen Minister und Befehlshaber ihre Entscheidungen vom Schlafzimmer aus, zwischen zwei Sitzungen oder sogar von einer Flughafenlounge aus senden können.

Der Nebel des Krieges macht es offensichtlich unmöglich zu wissen, was gerade in Afghanistan vor Ort passiert, selbst für Beobachter aus dem Militär und dem politischen Apparat in Washington, die damit ihr Geld verdienen. Wenn man jedoch bedenkt, dass die langjährige Strategie der USA zur Lähmung eines Gegners mit Enthauptungsschlägen auf die Radar- und Kommunikationsinfrastruktur beginnt, ist es für jeden ziemlich offensichtlich, dass dies, was die Taliban betrifft, nie stattgefunden hat. Die Taliban sind dabei, recht zügig eine Regierung zu bilden. Ihre Propaganda kursiert auf Twitter in aller Öffentlichkeit.

Den Taliban steht es also frei - und das schon seit einigen Jahren -, ihren Kampf nicht gegen amerikanische Soldaten zu führen (wo sie immer verlieren), sondern direkt in die Herzen und Köpfe der afghanischen Bevölkerung, und das alles unter Nutzung kostenloser amerikanischer Internet-Infrastrukturen wie Facebook und Twitter (wo sie jetzt gewonnen haben).

WhatsApp ist ein amerikanisches Produkt. Es kann von der Muttergesellschaft Facebook Inc. jederzeit und aus jedem Grund abgeschaltet werden. Die Tatsache, dass die Taliban es überhaupt nutzen konnten, ganz abgesehen von der Tatsache, dass sie es weiterhin nutzen, um ihre Aktivitäten zu koordinieren, selbst jetzt, da das Leben amerikanischer Bürger durch den Vormarsch der Taliban, der über diese App koordiniert wird, gefährdet ist, deutet darauf hin, dass sich der US-Militärgeheimdienst nie die Mühe gemacht hat, die Zahlen der Taliban zu überwachen und Facebook zu bitten, sie zu verbieten.

Wahrscheinlich haben sie Facebook noch nicht einmal dazu aufgefordert, wenn man bedenkt, dass die Taliban die App weiterhin ungestraft nutzen.

Dies könnte erklären, warum Afghanistan so schnell zusammengebrochen ist.

Ich möchte dabei noch folgendes erwähnen:

Fallschirmjäger und KSK sichern die Zugänge und den Flughafen selber!! Circa 600 Soldaten in Eigenregie! :wink:

Jetzt nicht mehr:

WhatsApp schaltet Taliban-Helpline in Kabul ab (Paywall/FT)

Die Beschwerdenummer sollte als Notfall-Hotline fĂĽr Zivilisten dienen, um Gewalt und PlĂĽnderungen zu melden.

WhatsApp hat eine Beschwerde-Hotline geschlossen, die von den Taliban eingerichtet wurde, als sie die Kontrolle ĂĽber Kabul ĂĽbernahmen, nachdem die Messaging-App unter Druck geraten war, die Gruppe von der Nutzung ihrer Dienste auszuschlieĂźen.

Weiter heiĂźt es:

Facebook, der Eigentümer von WhatsApp, sagte, dass es die Nummer am Dienstag zusammen mit anderen „offiziellen Taliban-Kanälen“ blockiert habe und fügte hinzu, dass es aktiv Gruppennamen, Beschreibungen und Profilbilder auf der Messaging-App scanne, um zu verhindern, dass die Taliban sie nutzen. Das Unternehmen fügte hinzu, dass sein Team aus Dari- und Paschtu-Muttersprachlern dabei helfe, „aufkommende Probleme auf der Plattform zu erkennen und uns darauf aufmerksam zu machen“.

Kritiker in den USA haben WhatsApp und andere Social-Media-Plattformen dafĂĽr angegriffen, dass sie nicht mehr MaĂźnahmen ergriffen haben, um die Kommunikation der Taliban zu unterbinden.

Aber Experten in der Region sagten, dass das Abschalten der WhatsApp-Nummern „absurd“ und „nicht hilfreich“ sei, zu einer Zeit, in der die militärische Gruppe das Land regiert und die Bürger in Kabul mit Plünderungen, Panik und Chaos konfrontiert sind.

Das sind nun halt die Nachteile eines Messengers, der E2E-Verschlüsselung betreibt…So kann man bei WhatsApp nur auf Verdacht die entsprechenden Kanäle blockieren momentan! Die Taliban wurden dahingehend immer schon sträflich unterschätzt. Die hatten nun zig Jahre Zeit, sich ihre Kommunikationsplattformen aufzubauen. Und wenn WhatsApp bzw. Facebook meint, durch die Abschaltung einiger Profile, die Kommunikation der Taliban relevant zu stören, werden sie wohl falsch liegen?!

In diesem Zusammenhang möchte ich auch mal an die Situation erinnern, die vor knapp vier Jahren in Afghanistan herrschte, bezüglich WhatsApp:

Afghanistan hat einen Aufschrei der Entrüstung ausgelöst, nachdem es WhatsApp und Telegram blockiert hat.

Journalisten, Mediengruppen und Nutzer sozialer Medien warfen der Regierung daraufhin Zensur vor.

Regierungsvertreter erklärten jedoch, die Entscheidung stelle keine Bedrohung für das Recht der Afghanen auf freie Meinungsäußerung dar.

Es wird vermutet, dass die Forderung nach einem Verbot erhoben wurde, um die Taliban und andere aufständische Gruppen daran zu hindern, über die verschlüsselten Messaging-Apps zu kommunizieren.

WhatsApp und Telegram werden häufig von militanten Gruppen genutzt, um der staatlichen Überwachung zu entgehen.

Anfang der Woche bestätigten Beamte der Behörde, die die Telekommunikation in Afghanistan reguliert, dass sie die Anbieter von Diensten schriftlich um ein vorübergehendes, 20-tägiges Verbot aus Sicherheitsgründen gebeten hatten.

Der amtierende Minister für Telekommunikation, Shahzad Aryobee, postete jedoch auch eine Nachricht auf Facebook, in der es hieß, die Regulierungsbehörde sei gebeten worden, eine schrittweise Sperrung von Messaging-Diensten durchzusetzen, um technische Probleme nach mehreren Beschwerden zu lösen.

Beschwerden über Hörbarkeit und Signalstärke sind in Afghanistan weit verbreitet.

Aryobee schrieb: „Die Regierung setzt sich für die Redefreiheit ein und weiß, dass sie ein grundlegendes Bürgerrecht für unser Volk ist.“

Das Verbot wurde bisher noch nicht durchgesetzt.

Der prominente Zeitungsredakteur Parwiz Kawa erklärte gegenüber der BBC, der Schritt sei ein Rückschritt und werde nicht toleriert.

Seit der US-gefĂĽhrten Invasion Afghanistans im Jahr 2001 haben sich die Mobilfunkdienste in dem Land rasant entwickelt.

WhatsApp, das sich im Besitz von Facebook befindet, hat sich geweigert, einen Kommentar abzugeben.

Edward Snowden hat da vor ein paar Stunden auch noch ein paar Worte zu gesagt. Also nicht speziell zu WhatsApp, aber zur Situation in Afghanistan und den Taliban. Ich finde, er hat das ganz gut zusammengefasst.

A Hell Of Our Own Making

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Ich sach ma sooo:

Irgendwie kann man bei diesen militärischen Einsätzen der USA immer Parallelen ziehen…

1.Korea 1950-1953
2.Vietnam 1955-1975
3.Afghanistan 2001-2021

…nämlich, dass die Endergebnisse in allen drei Fällen beschissen waren!

Ach, wie ist das herrlich :grinning_face_with_smiling_eyes:

Deutsche Internetforen: WhatsApp ist das ultimative Böse, nutzt das auf keine Fall, Facebook liest alles mit, jedes Wort sofort öffentlich, Zuckerberg weiß wann wir uns auf einen Kaffee verabreden, so schlimm war es noch nie!!!

Taliban, effektiv echte Terroristen: Ja geil, lass mal WhatsApp nutzen, ist verschlüsselt, sicher und schnell. Geil, Schlacht für uns entschieden. Können uns wegen der Verschlüsselung nicht mal effizient blocken, haha.

Ich lach mir einen ab :rofl:

@VIP dazu noch die ganzen proxy kriege, die sie auch verkackt haben, syrien, ukraine zb.

Da hast du leider nicht ganz Unrecht.

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Oder auch die Tatsache, dass die Taliban ja eigentlich ein Produkt der amerikanischen Interventionen sind. Die hat man doch zwischen 1989 und 1996 mit Geld und Waffen zugebombt, sie sogar ausgebildet! Und alles nur, damit sie den Sowjets paroli bieten können, im Auftrag der Amis.

Da fällt mir nur noch eins zu ein!! :rofl:

Und in der Serie zu „Wie erhält mein Feind meine Daten, wenn nicht unter Folter?“
Der BrĂĽller schlechthin:

https://theintercept.com/2021/08/17/afghanistan-taliban-military-biometrics/