Interview: E-Book-Piraterie und die Folgen

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Kommentar von Esther:
Nicht nur die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn.

Ganz unabhängig von der moralischen Bewertung: Faktisch sind Verbote nicht durchsetzbar und Aktionen wie diese erschweren spätere Ermittlungen, weil die Leute sich besser schützen. Auf Anonymität legen aber nicht nur Leute wert, die im Internet Urheberrechtsverletzungen oder Straftaten begehen wollen.

Ich bin mal gespannt wie es weitergeht: Ehrlich gesagt kann ich mir eigentlich nur legale Flatrates, die zumindest für sozial schwache Menschen subventioniert werden vorstellen. Im Musikbereich funktioniert das auch schon. Das liefe aber gerade auf dem Buchmarkt auf eine de facto Verstaatlichung hinaus. Da kommen noch einige Diskussionen auf uns zu.

Was mir auffällt: Wie kommt ihr darauf, dass die Betreiber solcher Seiten gleichzeitig ALG II beziehen? Das wäre ein weiteres Delikt - aber das kann ich mir bei den gängigen Bücherseiten nur sehr schwer vorstellen, weil zumindest zwei davon einen ausgesprochen professionellen Eindruck machen.

Esther

PS: Falls hier ein Autor mitschreibt: Piraterie ist unzweifelhaft moralisch verwerflich und überdies verboten. Das heißt aber nicht, dass es sie nicht gibt oder dass man nicht darüber reden dürfte.

Kommentar von Hospital:

„Ich will die Schäden der Wirtschaft nicht kleinreden.“

Die Schäden interessieren Dich doch eigentlich überhaupt nicht. Zumal hier wieder nur von der „Wirtschaft“ die Rede ist, wobei massenweise illegale eBooks von Selbstverlegern sind.

„Die Preise für E-Books sind unverständlich hoch.“

Zu „hoch“? Selbst wenn es so wäre: Das ist kein Grund diese illegal anzubieten.

„Heutzutage ist es nicht selten eine “Nebeneinkunft”, die deutlich mehr als das ebenfalls bezogene Hartz IV ausmacht.“

Die sog. „Szene“ ist eben einfach nur asozial. Normalerweise müßten die echten Szener solche Seiten einfach offline nehmen.

„Die E-Book-Flatrate wäre sicher ein guter Weg“

Für wen? Die Leecher? Für die Verleger sicherlich nicht.

Kommentar von Hospital:

„Wie kommt ihr darauf, dass die Betreiber solcher Seiten gleichzeitig ALG II beziehen? … kann ich mir bei den gängigen Bücherseiten nur sehr schwer vorstellen, weil zumindest zwei davon einen ausgesprochen professionellen Eindruck machen.“

Und? Was hat der Aufbau und das Design einer Seite mit zusätzlichen H4-Einnahmen zu tun?

Selbst der Admin von 320k.in lebt von Hartz4 (und eben den „kleinen“ Provisionen der Filesharingdienste).

Das ist eben der asoziale Standard der heutigen „Szene“. Glaubst Du wirklich diese kriminellen Leute sind alle fest im Leben verankert?

Kommentar von Esther:
Hat es jetzt Sinn die Diskussion einfach abzuwürgen?

Piraterie ist selbstverständlich illegal. Das bestreitet niemand. Aber ist das ein Grund nicht darüber zu reden?

Sie ist mit Verboten offensichtlich nicht zu beseitigen. Das zeigt sich daran, dass man bestenfalls mit immensem Aufwand ein paar kleine Nutzer erwischt, aber weder die großen Uploader noch die Betreiber. Das heißt doch nicht, dass Up- oder Downloads in geringerem Maße legal wären, es heißt nur, dass man die wichtigen Leute gar nicht erwischt.

Was die ALG-II-Geschichte angeht: Sind das Vermutungen oder kennt ihr die Leute setwas anderes behauptet.

Was ist eigentlich diese „echte“ Szene und wie unterscheidet sie sich von bösen Geschäftemachern?

Zumindest Libgen bietet die Bücher kostenlos an und hat auch fast keine Werbung. Das ändert nichts, daran, dass das Betreiben von Piratenseiten verboten ist. Aber das große Geld wird da nicht gemacht.

Die Leselauscher bieten neue Titel an und verlangen dafür Geld. Ob man damit reich wird weiß ich nicht, es sieht eher nicht so aus. Verboten sind beide Seiten. Wo ist für euch jetzt der fundamentale ethische Unterschied.

Esther

Kommentar von Esther:
Da bin ich mir nicht so sicher.

Fakt ist, dass sich Piraterei mit Verboten offensichtlich nicht eindämmen lässt. Das kann man durchaus bedauern, aber offensichtlich nicht ändern.

Das liegt auch daran, dass legale Leihmöglichkeiten - gerade für Bücher - fehlen oder sehr unzulänglich sind.

Mit einer Flatrate für eine Leihe - sei es nun für Ebooks, sei es für alles, was man legal herunterladen kann - wäre der Schaden wahrscheinlich geringer. Das kann man dann für sozial schwache Menschen auch subventionieren - wie man es bei Leihbibliotheken auch schon tut. Da könnte man schon einiges machen.

Esther

PS: Wir können uns jetzt wieder in moralischen Abhandlungen ergehen, bei denen immer wieder herauskommt, dass Piraterie illegal ist. Das mag für jemanden, der grade Dampf ablassen will ganz lustig sein, ist sonst aber langweilig.

Kommentar von Esther:
Naja, wer in der Lage ist eine illegale, aber professionell gemachte Seite zu erstellen, kann vermutlich auch einiges, was sich legal zu EInkommen verwandeln lässt.

Ich wollte eigentlich nur wissen, ob ihr wirklich wisst, dass viele Seitenbetreiber von ALG-II leben oder ob ihr das nur vermutet. Du scheinst ja zumindest einen Betreiber zu kennen.

Esther

Kommentar von Tarnkappe_Mysterion:
Viele kleine Autoren leben doch zusätzlich von ALG2, weil ihen die Verlage zuviel Geld aus den Taschen ziehen. Nehmen wir an ein E-Book kostet 9,99, der Author bekommt davon nur rund 10%. Der Rest wandert in den Vertrieb (also Kosten für Server, in die Tasche von Amazon etc) in die Werbung, in die Bezahlung der eigenden Verlagsmitarbeiter etc. Am Ende kommt beim Author davon kaum was an. Und wenn die Verlage sagen es ist nicht so dann lügen sie. Und das zeugt nur von eins: Doppelmoral.

Kommentar von Tarnkappe_Mysterion:
Hätte da einen Vorschlag für die Authoren von E-Books die bisher klein sind und den Händen von Verlagen gefangen sind. Wie wäre es mit einen DaWanda für E-Books? Ihr bietet dort eure Bücher an für einen fairen Preis als E-Book (was deutlich günstiger ist als ein Druck) räumt den Verlagen nur die Buchrechte für euer gedrucktes Buch an und bietet das selbe Buch online selber für 1,99€-3,99€ (was ich fair halte) an. Am Ende das Monats zahlt ihr 10- 20% an den Betreiber der Plattform und alles wäre soweit fair in meinen Augen.

Kommentar von ak:
Hallo Tarnkappe_Mysterion,

Zum Thema Preise bei den E-Books hatte ich eine Diskussion mit Thomas Elbel in den Kommentaren zu „LUL.to wehrt sich…“.

Hab gerade seinen Link zu einem Beispiel der Kosten eines Buches rauskopiert: https://www.voland-quist.de/verlagsblog/buchkalkulation-was-verdienen-autor-und-verlag-an-buchern/

Das Beispiel ist die Kalkulation für 2500 Papierbücher.
Lt. Hr. Elbel verhält es sich bei E-Books genauso mit Rabatt usw.
Druckkosten sind bei einem Ladenpreis von 14,90 € nur 1,98 € pro Buch.
Die restlichen Kosten bleiben gleich.
Ich frage mich nur, was ist wenn die 2500 Bücher verkauft werden mit den Erlösen der E-Books?
Für mich werden da Kosten die einmalig entstehen doppelt verrechnet.
Aber auf mich hört ja keiner. Man braucht für E-Books ja auch Vertreter die ihre Provision bekommen :slight_smile:

Kommentar von Esther:
Herrn Elbel habe ich als außerordentlich unangenehmen Menschen kennengelernt, der nicht davor zurückschreckt Realnamen von Leuten zu veröffentlichen.

Die Qualität seiner Berechnungen kann ich nicht beurteilen. Jemand, dem es so offensichtlich darum geht die Sau in primitivster Art herauszulassen ist auch nicht sonderlich vertrauenswürdig.

Ebooks verursachen auch keine Lagerkosten, für den Vertrieb muss sehr viel weniger Personal bezahlt werden, Ladenmieten entfallen … Schon deshalb ist die Argumentation mit den reinen Papierkosten unsinnig.

Der Rest ist wie immer aufgeblasener Unsinn: Unibibliotheken decken nur einen Teil des Bedarfs und auch das oft nur im PDF-Format. Die öffentlichen Onleihen haben monatelange Wartezeiten, die privaten Leihbibliotheken stecken noch in den Anfängen.

Man kann natürlich sagen, dass die Leute das Lesen sein zu lassen haben oder sich mit gedruckten Büchern begnügen müssen. Das ändert nur nichts daran, dass die Leute das nicht tun, sondern stattdessen auf illegale Seiten zurückgreifen.

Esther

Kommentar von Robbie:
hallo edoep. deine doch recht hochnäsige, arrogante art zu allen themen kann
verschiedene gruende haben. zum einen willst du uns vielleicht etwas
ueber (deine) moral beibringen? oder willst du einfach nur die wenigen
echten szene-leute weglangweilen ?

ich stelle mal eine interessante these
auf : was würde heute musik kosten, ohne napster? was würden filme
kosten, ohne filesharing?

waarum kosten gebundene bücher heute noch soviel, wie ein
digitales?

oh mein gott, bestimmt ist in deiner antwort mindestens
ein wort in einer anderen language. freaky. aber ich weiss, bist wohl
gerade nicht in deutschland , sondern reitest gerade auf einem
internetbackbone. wer ist hier scheinheilig ? wer hat hier eine
doppelmoral? shit, bin gerade eingenickt.

Kommentar von ak:
Schick mir ne Ansichtskarte wenn du dich verirrt hast :slight_smile:

Kommentar von ak:
ok, tuts eines in dunkelblau auch? hätte ich noch zuhause :slight_smile:

Kommentar von ak:
sehen müssen wir es ja nicht. hauptsache wir spüren es.

PS: meine mutter hat viele handarbeiten gemacht.

Kommentar von Esther:
Ach edoep warst du nicht eben noch in England? Ganz nebenbei: Seit wann kannst du eigentlich wieder deutsch?

Herr Elbel hat hier derart primitiv argumentiert, das Foto war unter seinem Namen zu finden. Ich davon ausgegangen bin jemand wolle dem realen Thomas Elbel - einem Hochschullehrer - schaden.

Deshalb habe ich Herrn Elbel auf den besagten thread aufmerksam gemacht - natürlich mit der Realnamenadresse.

Das nahm der Herr zum Anlass meinen Realnamen hier einzustellen.

Dem Kerl geht es nicht um Argumente, sondern ausschließlich darum, auf Primitivstniveau die Sau herauszulassen. Irgendwelche Rechnungen sind dementsprechend wertlos.

Was ich hier schreibe sage ich auch in rl. Dennoch ist so ein Verhalten unter jeder Kritik.

Esther

Kommentar von sirnobody:
Man kann in diesem Metier nur informativ sein, wenn man Kontakte zur Scene unterhält. Unserem Lars jetzt seine Nähe zur Scene vorzuwerfen ist scheinheilig, werte Schreiberin. Auch du kennst seine Vita und weißt genau welche Wurzeln die Tarnkappe hat. Nur die Nähe zu eben diesen Leuten macht diesen Blog überhaupt interessant. Es wird von Lars mit seiner Meinung, das Raubkopieren eben eine Art Raub ist, nicht hinter dem Berg gehalten. Trotzdem stellt sich auch mir die Frage, warum hier mit Mittelstreckenraketen auf Spatzen geschossen wird. Eine Wertung darüber wer oder was hier krimineller ist als das andere, habe ich gerade von Lars nie gelesen.
Insofern kann ich deine Kritik weder nachvollziehen noch mich ihr anschliessen.

Kommentar von Hospital:
„Viele kleine Autoren leben doch zusätzlich von ALG2, weil ihen die Verlage zuviel Geld aus den Taschen ziehen.“
Genau, die bösen Verlage sind wieder schuld. Die asozialen Leecher natürlich nicht.

Kommentar von Hospital:
„Das liegt auch daran, dass legale Leihmöglichkeiten - gerade für Bücher - fehlen oder sehr unzulänglich sind.“

FAULE AUSREDE!!!

Wie wäre es mit dem Besuch einer Bücherei? Aber dazu müßte man ja rausgehen… und bei Amazon kosten ja eBooks was… also saugt man sicher lieber ein mieses PDF bei irgendeiner illegalen Seite.

Kommentar von Julia Färber:
Ich habe das Gefühl, daß Du hier ein bißchen übers Ziel hinaus schießt.

Das dieser Blog sich diversen Gestalten zur Verbreitung ihrer teilweise skurilen Anschauungen anbot, kannst Du doch nicht ernsthaft LS vorwerfen. LS geriert sich ja auch nicht als Speerspitze des Kampfs gegen die illegale Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Werken und auch nicht als Robin Hood der von den Anbietern ansonsten schamlos ausgebeuteten Massen. Bei dem, was ich bislang hier so von LS gelesen habe (das ist nicht besonders viel), bemüht er sich persönlich um einen neutralen Ton. Eine eventuell vorhandene Tendenz zu den „Opfern“ der Strafverfolgung mag da sicher vorhanden sein. Da kommt dann der gute Onkel-Komplex (sorry Lars) zum Vorschein. Es wird deutlich auf die Gefahren hingewiesen und dabei stehen nun einmal die DAUs im Fokus, die entweder nicht schnallen, wie und das sie sich gerade strafbar machen oder denen nicht klar ist, welche Spuren sie hinterlassen. Für mich klingt das Meiste wie ein 10 Punkte Plan für den Nachwuchs im Umgang mit Facebook. Dagegen ist doch nichts einzuwenden - auch wenn das Gleiche an anderen Stelle und in anderen Publikationen massenwirksamer getan wird. An der Grundproblematik ändert sich dadurch doch nichts.

Für mich persönlich ist das vorläufige Ergebnis der im Interview angesprochenen Bemühungen der letzten Monate auch nur mau. Das mag sich mit dem Abschluß der Verfahren nochmals deutlich ändern, jedenfalls was das Thema Abschreckung angeht. Genauso gut könnte man aber das Ganze als grandiose Marketing-Aktion der VPN-Anbieter betrachten. Du hast ja selbst, in Zusammenhang mit The Interview die klassische cui bono Argumentation angeführt. Außer einem kurzen Umdenken und Anpassen ist und wird nicht viel passieren - business as usual.

Kommen wir zur Moral. Natürlich ist es blödsinnig etwas für unmoralisch zu halten, wenn die Bewertungskategorie die Legalität ist und da hast Du vollkommen recht, illegales Verhalten bleibt eben illegal, auch wenn Charme, Not oder Dummheit uns gerne in eine andere Richtung drängen. Ob das Verhalten der Strafverfolgungsbehörden zielführend ist, wird sich erst herausstellen und darf zu Recht angezweifelt werden.