E-Book-Piraterie: Wie geht es weiter? Jahresrückblick 2013

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Kommentar von Charlotte:
Vielleicht liegt’s am langsamen Vorgluehen auf Silvester [ :slight_smile: ], dass mir einiges nicht einleuchet.

„Somit wäre TorBoox mehr als nur tot. Es treibt wie ein bissiges, tödliches und schläfriges Krokodil im Sumpf und wartet auf neue Opfer.“

Tot ist tot. Mehr als tot ist folglich der Zustand fortschreitender Verwesung. Warum nun ist dieser Zustand von TB gefaehrlich, vom erbaermlichen Gestank mal abgesehen?

TB hast sich selbst eliminiert durch seine dubiose Politik, alle 3 Hauptakteure (Otto, Thommy, Spiegelbest) haben sich selbst diskreditiert in der Szene. An den ominoesen ‚Hack‘ glauben viele User nicht, schon eher an ein geplantes Manoever.

Die Mehrheit der User hat kein SO kurzes Gedaechtnis, dass sie kritiklos dem naechsten TB in die Arme laeuft. Dessen unruehmlicher Abgang hat der Szene insgesamt geschadet, die User sind skeptisch und Nachfolger werden sich in einem Wettbewerb befinden wie weiland die deutschen Discounter vor einigen Jahren. Nach Darwin werden die fittesten gewinnen.

Jeder ‚Sammler‘ unter den Usern hat doch mindestens (!) ein paar hundert ungelesene Buecher auf dem Reader und kann die Durststrecke des „Buechermikado“ auf einer Po-Backe monatelang gemuetlich aussitzen. Und es gibt, last but not least, auch unter den Usern nicht wenige, die mit den frueheren Betreibern von TB noch eine kleine Rechnung offenhaben. Sprich: sie registrieren sich in den neuen Foren, entrichten ihren Obulus, und leaken anchliessend bei der Konkurrenz, was die DSL Leitung hergibt.

Nur einige Aspekte, die ich in der Spiegelbest’schen Prognosen nicht als beruecksichtigt auzumachen vermag, weswegen sie mir nur bedingt einleuchten und ich fuer Erhellung dankbar waere :-).

In diesem Sinne ein fruehes Danke fuer den Blog ueber’s Jahr und ein ebenso verfruehtes „Cheers!“.

Charlotte

Kommentar von Lars Sobiraj:
Es ist ein gefährliches Krokodil für die Verlage, weil viele Leute dieses Modell nachahmen werden. Man kann mit dieser Methode sehr viel Geld mit vergleichsweise geringem Aufwand erwirtschaften. Von daher ist es mehr als wahrscheinlich, dass sich diverse Nachahmer finden werden.

Wenn der Sysop einer BBS (illegale Mailbox) in den 90ern stilvoll Abschied nehmen wollte, gab er vor, die Polizei habe ihn besucht. So ähnlich kommt mir die Geschichte von TB auch manchmal vor. Andererseits: Was haben die Zahler denn eigentlich verloren? Sie zahlten 3.33 Euro monatlich und durften so viele E-Books herunterladen, bis die Platte voll war. Für das Geld hätten sich im legalen Markt nicht ein einziges E-Book bekommen, oder? Klar ist es ärgerlich wenn dann plötzlich keine Gegenleistung mehr erhältlich ist.

Die Sache mit dem Büchermikado bleibt abzuwarten. Es wird tatsächlich einige Leute geben, die die frisch gekauften und DRM-befreiten Werke weiterreichen werden, schon um den Spenderkreisen zu schaden. Ob es für die eine oder andere Pobacke ausreichen wird, schauen wir mal. Dass sich die drei Waisen aus dem Bücherland selbst abgeschossen haben, wird denen sicher egal sein. Wer einmal nachrechnet, dem wird schnell klar sein, dass sie ihre Schäfchen längst im Trockenen haben. Außerdem könnte man jederzeit mit einem neuen Pseudonym wieder anfangen, oder?

Wenn es in dem Sinne weitergeht, bleiben vor allem die Autoren auf der Strecke. Sie haben keine Möglichkeit, sich gegen die zunehmende Kommerzialisierung des Graubereichs zu wehren. In dem Sinne: Prost Mahlzeit!

Kommentar von Illegale E-Book Szene - Herbst 2016 - Tarnkappe.info:
[…] P.S.: Wer sich für weitere Hintergründe interessiert, sollte sich das Interview mit Alexandra Elbakyan (Sprecherin von Sci-Hub), unser Interview mit Piratenjäger Manuel Bonik oder unseren Jahresrückblick aus 2013 durchlesen. […]